Verfasst von: jannisandresen | April 17, 2008

Mitte April – Krawall und Remmi Demmi

über Familie, Tim und Mitja, Osterferien, Chorfahrt, Frühlingsfest, Sommer, Endspurt und den Ausblick!

Die Zeit zwischen den Karnevals- und den Osterferien verstrich ohne nennenswerte Ereignisse. Doch gleich wenige Tage vor den Ferien sollte mit der Ankunft von Mitja und Tim der ereignisüberladene März starten. 2 Wochen meine Jungs am Start. Das war ein Fest. Noch dazu Ferien. Ein großer Haufen geheimer und weniger geheimer Geheimereignisse wartet darauf, hier erzählt zu werden. Wird er aber nicht. Stattdessen ein kleiner jugendfreier Auszug aus dem von Mitja geführten Reisetagebuch (coole Geschichte sowas – danke Mitja):

6 Tag:

„7 Uhr in der Früh. Jannis ist ein grausamer Bastardo!!! Nicht nur seinen Wecker hat er uns freundlicherweise hingelegt, auch die Lampe, die die letzten Tage schrott war, scheint wieder zu funktionieren. Ach ja wir wollte ja mit ihm in die Schule zur Arbeit. Also duschen und los. Trotz der Eile haben wir den Bus verpasst und nehmen nun ein Taxi. Angekommen zeigt Jannis uns seinen Hort des Schaffens und der Inspiration. Macht Alles auf den ersten Blick einen sehr netten Eindruck, genau wie Jannis sein Chef der Segundo. Dass Jannis ne halbe Stunden zu spät kommt, scheint hier niemanden zu stören, und auch nach Anmeldung geht man das ganze erst mal ruhig an. Erst muss sich noch umgezogen werden, dann folgen wir Jannis auf den Spielplatz wo er einen Graben für die Bewässerung freischaufeln soll. Fazit nach eineinhalb Stunden (zumindest theoretischer) Arbeitszeit: ein 3 Meter langer etwa 10 Zentimeter tiefer Graben und Rückenschmerzen bei Jannis. (Anm. d. R: vom Autor so nicht ganz korrekt dargestellt :P ) Wir haben uns derweil die Zeit mit Sprüche klopfen, rauchen, Schokohörnchen und Bocadillos vertrieben. Später geht’s noch mit Anna und ihren Kiddies in die Turnhalle und mit Sarah in die Bastelklasse. Die macht uns ganz schön fertig, man bin ich froh dass ich den Stress nicht jeden Tag habe. Nach der Schule geht’s dann kurz nach Hause und dann ins Einkaufszentrum, was allerdings aber eher halb erfolgreich zu Ende geht. Abends n ruhigen gemacht. Muss auch mal sein…“

Das Ende ihres Besuches sollte sich folgendermaßen abspielen: 2 Tage bevor die beiden Lieblings-chaoten wieder in den Flieger nach (komischerweise zu dieser Zeit schneebedeckt) Deutschland steigen sollten, landete der Flieger mit meiner Familie. Wachablösung mit kleiner Überschneidung sozusagen. Also nochmal das ganze Reiseführerprogramm. Na super. Der Vorteil: Eine Woche Hotel im Süden und Mama zahlt. Außerdem mag ich meine Familie sehr.

Hotel Mama für 2 Wochen ist insofern zwingend notwendig, als das ich für den März durch eine ungünstige Verkettung mystischer Umstände einfach mal sowasvon Pleite bin…

Naja. Erster Familienurlaubstag: Tim und Mitja sind per Bus in den Süden (wo unser Hotel war) gekommen damit nach einem Strandtag in den Dünen die Drei Musketiere des Nachts in eine schreckliche Mission ausziehen konnten. Party mit deutschen Pauschaltouristen. Wir haben uns ganz gut geschlagen. Immerhin waren auch einige Skandinavier da…

Dann ging es wirklich in den puren Familienurlaub und der war auch richtig schön.

Nachdem nun endlich die (hoffentlich) letzte meiner 5 Besuchsphasen abgeschlossen ist, die Osterferien schon einige Wochen zurück liegen und auch Jannis Konto wieder schwarze Zahlen schreibt, fühle ich mich gut gerüstet und bereit für den Endspurt.

Die Zielgerade hat ein grandioses Chorwochenende auf Teneriffa eingeleitet. Endlich ist man sprachlich weit genug, die ganzen Leute gut kennen zu lernen. Zusammen mit Susi und Nine haben wir drei Deutschen den Laden ziemlich mit gerockt. Das war echt so geil!

Die verbleibende Zeit kann man mittlerweile fast schon zählen. Man muss sich aber beherrschen, dass zu tun – denn die letzte Zeit wird die beste, das merkt man jetzt schon. Und die will man genießen. Dementsprechend gebe ich mir alle Mühe meine Gedanken auf das hier und jetzt zu konzentrieren.

Genug geschwafelt ich bin raus.

Peace!

Verfasst von: jannisandresen | Februar 17, 2008

Level 2 – irgendwie anders…

Mitte Februar haben wir jetzt. Im Anbetracht der Tatsache, dass ich mich monatlich melden wollte bin ich also ziemlich spät dran. Mittlerweile bin ich nämlich schon 5 Monate und 18 Tage auf dieser komischen Insel. Da wir in der Zeit der Sommerferien hier auf Gran Canaria nicht arbeiten müssen, ist das Bergfest schon gefeiert, die Halbzeit also schon rum. Die Zeit rast unglaublich schnell. Das ist aber auch kein Wunder, denn es passiert ja auch so viel.

Fassen wir kurz zusammen: Nach einem 10-tägigen Überraschungsbesuch über Weihnachten im heimatlichen Schleswig mit ausflippenden Eltern, guten Cliquen-Reunionpartys, Ela, NK4, Punsch und Knallerei, bin ich mit Steffi zusammen in den Flieger gestiegen: „Proxima Estación: Las Palmas de Gran Canaria“. Während ihres Besuches stürzten sich meine Coma-Crew und ich mit gemischten Gefühlen wieder auf die Arbeit. Die Verhältnisse haben es dann tatsächlich geschafft, den Alltag innerhalb von 2 Tagen wieder her zu stellen… Schade! Immerhin hatten wir nachdem wir vor Weihnachten 4 Monate durchgearbeitet haben, dieses Mal die Aussicht baldige Erlösung – die Karnevalsferien Anfang Februar.

Letztere haben dann aber auch voll reingehaun. Einerseits waren es die ersten Ferien, während derer wir FAST alle auch mal zusammen hier sein konnten, ohne die lästigen Bürden des Alltags, andererseits war einfach mal Carnaval… und das bedeutet hier auf den Kanaren, selbst für Karnevalsmuffel ein großes Packet aus Spiel Spass und Spannung. Während die Pre-Partys im Januar eher an eine schlechte Kirmes erinnerten, ging es dann in den Ferien von einer guten Party in die nächste. Zumindest theoretisch… ich war nämlich dann auch nur 3-4 Mal richtig auf dem Karneval. Neben der Wahl einer Drag-Queen, diversen Umzügen, dem Begraben einer Riesensardine, brasilianischen Tanznächten und Live-Konzerten war mein persönlicher Carnavals-Höhepunkt, das Mehlfest in der Altstadt: Auf eine alte Tradition zurückgehend, betrinken sich dort alljährlich tausende, weiß gekleidete Menschen mit komischen Hüten, während sie sich mit Mehl und Babypuder bekriegen. Die ganze Altstadt lag unter einer gigantischen weißen Wolke… watn Spass! All diese Karnevalserlebnisse durfte ich zusammen mit Nora haben, die mich über die Ferien besuchte. Eine coole Zeit!

Rums! Schon sind wir wieder im Alltag gelandet. Nach einer Woche kommt es einem schon wieder so vor, als arbeite man wochenlang. Während allgemeinen Unmuts darüber, wie viel Zeit die Arbeit (auch mit dem hin und rück-Transport) alltäglich in Anspruch nimmt, versuchen wir aber trotzdem keine lange Weile aufkommen zu lassen. Das ist uns insofern gelungen, als dass ich einfach nochmal umgezogen bin. Niki und Anna wollte aus der Altstadt raus, ich brauchte ein größeres Zimmer und so haben wir uns prompt zusammen getan und werden jetzt nicht weit von meiner alten Wohnung das Erbe dreier Chilenischer Studentinnen antreten. Coole Lage, coole Wohnung, coole Leute – Cool! Dieses Wochenende stand also ganz im Zeichen des Umzugs. Und allgemein deutet sich an, dass die zweite Hälfte sich irgendwie anders anfühlt… aber das gefällt mir. Außerdem habe ich es endlich geschafft, mit dem Surfen anzufangen.

Der Ausblick auf die nächste Zeit, unsere zweite Hälfte sieht folgendermaßen aus: 4 Wochen arbeiten, Osterferien mit coolem Besuch und dann geht’s schon in den 3 Monatigen Endspurt. Wahnsinn…

Verfasst von: jannisandresen | Januar 7, 2008

Inselhopping – Teneriffa, Fuerteventura, Lanzarote

eine Auswahl an Fotos der 2 Wochendausflüge

Verfasst von: jannisandresen | November 25, 2007

ICH LEBE NOCH – 3 Monate Gran Canaria

ICH LEBE NOCH

Ja es stimmt und ist auch so Banal wie es klingt:  Tatsächlich stand Gegenteiliges nämlich nie wirklich in Aussicht, doch aufgrund der langen Wartezeit auf neue Berichte haben sich Manche anscheinend zu derartigen Vermutungen hinreißen lassen und mich dies in Form bitterböser Nachrichten wissen.

Naja auf jeden Fall  bringt mich das hier und jetzt zu dem Versprechen, mich einmal monatlich zu melden, damit auch die beruhigt einschlafen können, die noch nicht ganz verstanden haben, dass kein Lebenszeichen oft ein gutes Lebenszeichen ist! Denn unter Berücksichtigung der Tatsache, dass ich hier so viele gute (OK, ab und zu auch mal sehr nervige und frustrierende) Sachen vor habe, dass ich kaum noch dazu komme mich zu melden, ist das doch insgesamt positiv zu sehen.

Wobei ich mich in einer genialen Überleitung gleich dem Thema zuwenden kann: Was hat er denn nun eigentlich so vor?

Der Schulalltag ist nach wie vor der ausschlaggebende Faktor in meinem Canarischen Leben und beginnt jeden morgen mit der Fahrt im Schulbus. 07.00 Uhr (spätestens): Ich verlasse das Haus in der Hoffnung heute nicht rennen zu müssen. (die Schulbusse sind im Vergleich zu allen anderen Spanischen Verkehrsmitteln saupünktlich) 07.03 Uhr: ich laufe für 20 Sekunden die Nase zu haltend und durch den Mund einatmend an dem kleinen dreckigen Fast-Food-Imbiß „Piscolabis Rosa“ vorbei, der Morgens auf eine Art stinkt, die ich in meinem Leben noch nicht erlebt habe. 07.05 Uhr: Ich erreiche meine Bushaltestelle (manchmal rennender Weise und erst in letzter Sekunde) in der Hoffnung, dass ich  Erstens: Einen guten Busfahrer habe. Das ist sehr wichtig, weil der Busfahrer die nächsten 45 Minuten meines noch verpennten und deshalb recht sensiblen Lebens bestimmt. Es gibt gute Busfahrer und Arschloch-Busfahrer. Gute Busfahrer haben bei guter Raumtemperatur Nachtbeleuchtung an und das Radio wird erst nach 25-30 Minuten leise angemacht, so dass man entweder gar nichts, oder Musik über seinen MP3 Player hören kann. Arschloch Busfahrer haben volle Kongresshallenbeleuchtung an und hören – man könnte es LAAAUUUT nennen -einen der vielen extreeem hippen Radiosender mit aktuellen Superhits wie: Tokio Hotel – Through the Monsoon, oder eine eigene CD – und ich sag euch: Canarische Arschlochbusfahrer haben einen SUPER Musikgeschmack! Zweitens: dass zu dem Arschlochbusfahrer nicht noch irgendein Kind ZUFÄLLIG grade eine DVD im Schulrucksack hat (denn das haben 3.-Klässler hier manchmal einfach so). Denn dann heißt es: „High School Musical“ im Bordkino! Und weil man beim Film ja alle Dialoge verstehen muss, drehen wir doch einfach noch ein bisschen lauter. Ach so und die Klimaanlage ist übrigens so stark aufgedreht, dass man trotz 24 Grad Außentemperatur mindestens einen Pulli braucht, wenn man keine Erkältung bekommen will!

Zum Glück gibt es zwischen guten und Arschlochbusfahrern auch Abstufungen und man kriegt nicht immer gleich die volle Packung! Aber ihr seht, ich habe hier im Vergleich zu meinen FSJ-Kollegen in Behinderteneinrichtungen, SOS-Kinderdörfern, in Palestina oder in Ausschwitz auch mit echten Herausforderungen zu kämpfen. Tschakka!

So… und wer jetzt den ironischen Unterton herausgehört hat, könnte zu der Vermutung kommen, dass ich grade mit meiner Arbeit nicht so ganz zufrieden bin – und hätte damit recht. Ich habe das Gefühl irgendwie bewegt sich hier nichts. Der Alltag kann sehr unterschiedlich sein. Mit Segundo (Hausmeister) ist alles Super: abwechslungsreiche Arbeit, mehr Eigenverantwortung, lustiger Typ, coole Gespräche usw. Mit Lorenzo (Gärtner) bringt es mich manchmal richtig auf die Palme. Immer die gleiche Arbeit. Da Beete Harken, dort Straße fegen, hier Pflanzen schneiden (und nebenbei ganz viel mit Passanten schnacken). Und nach 3 Wochen an der gleichen Stelle das Gleiche von Vorne. Was mich aber noch mehr nervt als die stumpfe Arbeit, ist die Tatsache, dass er immer darum bittet, dass ich mit ihm arbeiten kann obwohl er eigentlich für mich nichts zu tun hat. Dass führt dazu, dass wir das was es zu erledigen gibt. Sehr ruhig und gelassen angehen. Er meint es gut, wenn er mich immer zur Ruhe ruft, wenn ich selbstständig irgendwas machen will. Aber es macht mich wahnsinnig, weil ich was tun will. Was Richtiges. So komme ich mir oft nutzlos und überflüssig vor. Langweile kann anstrengender sein, als harte Arbeit. Darüber hinaus, missfällt mir manchmal die Art, mit der Andere Kollegen mit mir umgehen. Nichts schlimmes aber irgendwie komisch.

Doch seit heute scheint Besserung in Sicht: Tatsächlich hat sich nämlich meine Vermutung erhärtet und an dieser Schule hat keiner eine Ahnung, was ich überhaupt bin, was eigentlich ein FSJ bedeutet. Aber immerhin scheint sich da jetzt was zu bewegen und nächste Woche setzen wir uns dann alle mal zusammen. Ich glaube dann können wir FSJ-ler auch mal Wünsche äußern. Mal sehen, vielleicht bekomme ich ja mehr Zeit mit den Kindern.

TENERIFFA: in einer recht spontanen Aktion 3 Tage vorher habe ich für das erste (lange – 4 Tage) Novemberwochenende mit 4 Freunden eine Fähre nach Teneriffa gebucht. Als wir dann am Donnerstagnachmittag unser Apartmenthaus „Playa Olid“ erreichten, mussten wir uns erstmal von der anstrengenden Reise und der schockierenden Umgebung erholen. Unser glückliches Händchen hat uns nämlich direkt an die Costa Adeje geführt. Das ist, wenn man  sich den in Briten Hand befindlichen Touristensüden von Teneriffa anschaut, so ziemlich die Hochburg britischer Traumtouristen. Das war so richtig schön. Denn wenn es eine Sache gibt, die noch abstoßender ist als Deutsche Asitouristen, dann sind das die britischen Pendants! Frei nach dem Motto von Kurt Tucholski: „Als Deutscher Tourist im Ausland steht man vor der Frage ob man sich anständig benehmen muss, oder ob schon Deutsche vor einem dort gewesen sind“ haben wir uns dann am Freitag als Asitouristen verkleidet in den Sausage-Baked-Beans-rote Haare-sommersprossig weiße Haut-Beer-Fish&Chips-Brei gestürzt und uns an einem weißen künstlich angelegten Sandstrand von den harten Arbeitswochen erholt. Die restlichen zwei Tage sind wir mit einem gemieteten Auto über die wirklich wunderschöne Insel gedüst und hätten fast den höchsten Berg Spaniens erklommen. Den Gipfel holen wir uns dann an einem andern Tag nochmal! Immerhin kostet die Fähre nach Teneriffa für uns als gemeldete Canarische Bürger hin und zurück nur 14 Euro! Was aber in diesem Urlaub wirklich besonders toll war, war wie unsere kleine Gruppe nochmal so richtig zusammengerückt ist und man mittlerweile von richtigen Freunden sprechen kann!

Nach diesem Vorbild steht für das erste Dezemberwochenende, welches auch 4 Tage lang ist, ein Trip mit mehr Leuten und mehr Inseln nach Fuerteventura und Lanzarote an.

VORWEIHNACHTSZEIT: Wie sicherlich überall anders auch, läuft auch hier seit einigen Wochen immer mehr die Weihnachtszeit an. Irgendwie kommt man aber noch nicht so richtig drauf klar, dass wir hier an warmen Tagen immer noch 27 Grad und mehr haben, aber schon überall die Plastikweihnachtsbäume rumstehen. Weihnachten (jedenfalls was man so aus den Einkaufszentren mitbekommt) ist hier sehr Amerikanisch und gefällt mir überhaupt nicht. Auf die Spitze treibt es das Las Arenas Einkaufszentrum, welches von einem rosa Weihnachtsschloss mit Plastiktannengirlanden (Stilrichtung: Barbie) verkleidet wurde. Sowas von abgrundtief hässlich, das kann man sich nicht vorstellen. Als ich mich aber vor 2 Wochen zum ersten Mal darüber aufgeregt habe, wusste ich jedoch noch nicht, was letzten Donnerstag passieren sollte: Da war nämlich mein erstes Chor“konzert“. Die Bitte des Las Arenas an unsere Chorleiterin, drei Weihnachtslieder für eine Werbeveranstaltung zu singen, hat uns nämlich in die herrliche Situation gebracht, vor einer Gruppe Anzugträgern, selber in schniekem Outfit, bei 24 Grad Außentemperatur auf eben dieser rosa Barbieschlossbühne  unter Anderen „White Christmas“ zu singen. Eine paradoxe Riesenlachnummer über der ich mir das Grinsen wirklich verkneifen musste.

DER GROSSE REGEN / MEIN GEBURTSTAG / WOMAD: Zum Schluss wende ich mich nun nochmal den letzten Tagen zu: Angefangen hat es am Mittwoch, als „der großen Regen“ einsetzte. Im Prinzip handelt  es sich nur um stink normale Regengüsse, die zum ersten Mal seit meiner Ankunft hier nicht sofort nach 5 Minuten wieder zu Ende waren und bis heute (Sonntag) immer wieder kehrten. Dass ich ihn den „großen Regen“ nenne, hat damit zu tun, was das bisschen Wasser von oben hier auslöst. Also überschwemmte Straßen, gesperrte Straßen, überlaufende Gulli und vielleicht sogar bald Schulausfall. Dass das Abwassersystem schlecht ist, weiß ich spätestens seit regelmäßig überlaufender Scheiße im Mädchenklo unserer Schule, aber dass es so wenig abkann hätte ich dann auch nicht gedacht.

Geregnet hat es auch auf dem WOMAD gelegentlich. WOMAD steht für „World of Music, Art and Dance“ und ist ein großes Festival welches vom 22. Bis 25. November unsere Abendgestaltung abwechslungsreicher gestalteten sollte als sonst. Hier habe ich auch nach einer gequetschten Großcliquensitzung in meiner kleinen Wohnung, gebührend in meinen 20. Geburtstag herein gefeiert. Das musikalische Spektrum auf den 3 Bühnen umfasste Elektro, Drum&Bass, Hip-Hop, sowie Reggae, Ska und Rock, wobei  viele Gruppen irgendwie einen ausgefallenen Mix aus allem spielten. Afrikanische und Südamerikanische Einflüsse waren auch überall präsent.

Also pünktlich zum 20. richtiges Jannis-Geburtstagswetter wie man es aus Deutschland kennt – fast…

Das wars auch „schon“ wieder von mir. Ich verabschiede mich mit einem riesigen Dankeschön für alle Geburtstagsgrüße und Geschenke. Ich denke zwischen Weihnachten und Neujahr werdet ihr sicher das nächste Mal was von mir hören!

Jannis

Verfasst von: jannisandresen | Oktober 26, 2007

Neue Bilder

Hier wohne Ich:

bitte anklicken. Der weiß makierte Weg zum Strand ist genau 250 Meter lang!

hier-wohne-ich.jpg

Hier Bilder von den letzten 2 Inselrundfahrten

und hier Eindrücke aus meinem Alltag im Oktober

Neue Wohnung: Wie bereits angedeutet bin ich mittlerweile (seit fast 3 Wochen) umgezogen. Ich wohne jetzt sehr nah am Strand und mit einer jungen Grundschullehrerin zusammen. Hier an „meinem Strand“ gibt es Wellen so groß, dass sogar Wellen-können-nicht-groß-genug-sein-Jannis wie ein kleines Stück Holz mit 5-fachen Umdrehungen durch die Gegend bzw. auf den Strand geschleudert wird um anschließend mit viel Respekt und ein bisschen Hose voll zurück auf sein Handtuch zu kriechen. Aber das ist die Ausnahme. Meistens macht es super viel Spaß. Es ist ein richtig geiles Gefühl, wenn sich vor einem so eine 3-4 Meter Wand aufbaut. Also insgesamt läuft es wohntechnisch hier alles absolut hervorragend und ich möchte jetzt erstmal nicht mehr weg. (Ausgenommen sind die Tage Montag, Dienstag, Mittwoch dieser Woche, an denen wir kein Wasser hatten. Also immer nur morgens nicht. Ein super Gefühl morgens nicht einmal pinkeln zu können, ohne vorher angezogen und mit Rucksack gepackt zu einer Freundin 3 Blocks weiter zu rennen um zu duschen und sonstige Geschäfte zu verrichten. Aber mittlerweile ist das Wasser zurück.)

Arbeit: Die Arbeit ist wirklich anstrengend (im letzten Bericht Geschildertes, galt leider für die letzten 2 Wochen nicht mehr…)

Sprachkurs: Um mangelnden grammatikalischen Kenntnissen entgegenzuwirken bin ich jetzt doch tatsächlich in einen Sprachkurs eingetreten. Das ist hier so eine Art Volkshochschule und mein Lehrer heißt Salvador – ein ziemlich abgedrehter Typ. Wir haben uns mit echt vielen von den Praktikanten da angemeldet, aber jedes Deutsches Wort wird von Salvador sofort erfolgreich unterbunden. Zu erst hat er uns alle in den Level 2 Kurs gesteckt, um mal zu gucken, wie wir so zu Recht kommen. In der besagten Probestunde hat man dann aber recht schnell gesehen, wie die Niveaus auseinanderklaffen. Immerhin haben wir Leute dabei, die schon einige Jahre Spanischkenntnisse in Schule und/oder Uni  erworben haben und eben Anfänger. Mich erfreut die Tatsache, dass ich es wahrscheinlich mit meinem 1-Monat-Sprung-ins-kalte-Wasser-Spanisch doch schon so weit gebracht habe, dass ich in dem 2 Mal pro Woche stattfindenden Niveau 2 Kurs bleiben kann. Es ist zwar noch etwas zu schwer. Aber eben auch nur etwas. Es motiviert und ist glaube ich genau richtig. Gestern sind während der Stunde 4 Amerikaner bzw. Kanadier in unseren Kurs geplatzt. Sie wurden sofort integriert und anschließend stellte sich heraus, dass sie an der Amerikanischen Schule Las Palmas arbeiten. Gleichgesinnte also. Nach dem Kurs sind wir dann alle an der Strandpromenade Pizza und Bier konsumieren gegangen. Das war seit langem einer der witzigsten Abende. Außerdem konnte ich mal wieder schön viel Englisch sprechen. Das hab ich auch echt schon vermisst hier!

Nebenverdienst: Um mangelnder Fülle meines Portemonnaies und meiner bisher auch deshalb leicht einseitigen Ernährung entgegenzuwirken habe ich jetzt doch tatsächlich eine Nachhilfestelle angetreten. Und zwar eine von diesen „Nachhilfe“-Stellen, bei denen man dem Kind (in meinem Fall ein 5-jähriger Junge aus der Vorschule) einfach deutschen Umgang ermöglichen soll. So bin ich jetzt 2 Mal die Woche damit beschäftigt dem kleinen Carlos beim Schwimmen, Tennis-, Fußball-, Computerspielen, Buchlesen oder Essen etwas Deutsch mitzugeben. Carlos ist ein supercooles Kind was sehr schnell lernt. Also wirklich richtig schnell. Seine größere Schwester aus der Dritten spricht auch schon so richtig gut Deutsch! Schlaue Familie denk ich.

Freizeitgestaltung: Um ebenfalls mangelnder Abwechslung im Freizeitbereich (Strand, Strand, Strand, Strand…) entgegenzuwirken wollte ich mich, wie ja schon im letzten Bericht angekündigt um einen Chor bemühen. Nachdem sich herausgestellt hat, dass der Schulchor zwar ganz nett ist (und wir alle wissen was „ganz nett“ bedeutet), aber mich auch nicht so richtig anspricht, hat sich zum Glück noch eine weitere Möglichkeit aufgetan, die ich jetzt auf jeden Fall weiter verfolgen werde. Es gibt hier am Auditorium der Stadt (Opern-, Konzert- und Kinosaal, außerdem Kongresszentrum und was weiß ich nicht noch alles…) einen Chor von dem mir ein Paar Schüler erzählt haben. Ich bin dann letzte Woche da einmal zur Probe gewesen und das war echt mal cool. Also da sind wirklich ausschließlich Spanier im Alter von 16 bis 24. Die haben unter anderem auch ein Deutsches Lied im Programm und mussten gleich bei meinem ersten Mal ausnutzen, das nun ein Deutscher da ist. Nachdem ich wie jeder neue mit Applaus begrüßt wurde, musste ich den deutschen Text doppelt und dreifach und schön langsam und artikuliert (Herr Harder wäre begeistert…) vorlesen. Die ganzen anderen haben sich dann den Text so auf Spanisch darunter geschrieben, wie sie das aussprechen würden. Anschließend haben die mir das vorgesungen offensichtlich in der Erwartung, das wäre jetzt super schlecht. Aber es war richtig gut. Ich war überrascht und nachdem ich denen das erzählt habe, da standen die Münder aber sooo weit offen. Aus einem kurzen Schock entstand dann lautes Gelächter und stürmischer Beifall über dieses unverhoffte Lob… Jaja, bei den Spaniern ist schnell die Stimmung ganz oben.

Roadtrip 2: Am Tag der deutschen Einheit (Schulfrei) haben wir das nette Angebot eines meiner Arbeitskollegen wahrgenommen und sind mit ihm (im Prinzip die gleiche Truppe wie vom ersten Mal) mit seinem Allrad-Geländewagen etwas über die Insel gecruist. Der Roadtrip 2 war zwar nur halb so lang, aber wir haben doch nochmal einige tolle neue Plätze gesehen. Dabei haben wir uns den Touristensüden zum ersten Mal bewusst reingezogen. Die haben sich da schon Mühe gegeben, das recht schön zu machen. Aber man weiß auch, dass jede noch so kleine Pflanze künstlich bewässert werden muss. Insgesamt ist das alles eben hauptsächlich Eines: Künstlich. Wie Touristeneldorados wohl überall sind. Aber es gibt schon krasse Hotels da. Das Eine (größte und tollste) wollten wir uns mal näher angucken. Kein Problem meinte unsere kompetente Reisebegleitung – allerdings nur nach einer kleinen Instruktion. Wir müssten behaupten, wir würden für unsere Eltern Hotels besichtigen, die die nächsten Ferien kommen wollen. Ok… keine 3 Sekunden auf dem Gelände kommen 2 Securities mit Elektrorollwagen und Fahrradhelm auf uns zu, die uns genau unter die Lupe nehmen und nach unseren Absichten fragen. Unser Plan ist aber aufgegangen und als Belohnung konnten wir uns dann (nachdem wir unsere Taschen abgegeben hatten – damit wir auch ja nicht einfach so im Pool baden) frei bewegen und uns den größten Pool der Welt angucken (höhöhö… ;)  siehe Fotos).

Veguetafest: Letzten Samstag waren wir auf einem großen traditionellen Kanarischen Fest hier in der Altstadt. Viele Trachtenkanarios mit Gitarren und traditionellen Liedern auf den Lippen, mit geschmückten Einkaufswägen voller Rum und Colaflaschen. Außerdem viele Stände mit so fritiert-getrocknet-gegrillt-wasweißich-Rochen-Dingern (die bis zum Himmel stinken – aber den charakteristischen Geruch prägen der an diesem Abend die Altstadt überzieht). Insgesamt son bisschen wie Oktoberfest. Nur mit flair, sommerlichen Temperaturen und ohne Zelt und Bierbänke. (und sehr zum Leidwesen meiner bayrischen Mitarbeiterin auch ohne Brezn‘ – letztens hatte eines ihrer Kinder eine mit. Da war sie aber wirklich kurz davor, ihre pädagogischen Grundsätze ihren tierischen Instinkten unterzuordnen…). Ich glaube ich habe selten so viele so absurde Gespräche geführt, wie an diesem Abend. Außerdem haben wir in einer empirischen Erhebung das Verhalten betrunkener Canarios die mit dem „Schüttel-Schüttel-Spiel“ konfrontiert werden, untersucht. „Hey wer bist denn du?“  „Si, Si, Fiestaaaaaaa!!!!“ „Heeeey Fiesta, du bist ja voll cooool…“

Das wars dann auch „schon“ wieder fürs erste…

Freue mich immer, wenn ihr euch meldet – Jannis

Verfasst von: jannisandresen | Oktober 6, 2007

Schon 3 Wochen – und es bleibt spannend…

EINIGE EINDRÜCKE VON UNSEREM ERSTEN ROADTRIP

Was gibt es neues hier auf der Insel? Also das Wetter jedenfalls nicht: Jeden Tag 28 – 31 Grad, leichte Brise, bis 11 Uhr leicht bewölkt, danach reißt es immer auf – wie ein Uhrwerk…

Aber man gewöhnt sich tatsächlich auch an sowas. In den ersten Tagen noch unvorstellbar: ich hatte schon 2 Mal ne lange Hose an! (okeee Abends – aber immerhin) Die Spanier hüpfen hier fröhlich mit ihren Kapuzenpullis rum und können unsere Nöte nicht nachvollziehen. Dann erzählen sie immer das ja bald Winter ist. JAAAA dieser schreckliche bitterböse Winter den es hier gibt. Uhhhhhhhh. 15 Grad. Alles Weichflöten hier: hoffentlich behalte ich meine nordische „Härte“!

Rückblick auf die letzen Wochen:

An einem Wochenende haben wir uns ein Auto gemietet und sind über die Insel gefahren. Ich bin die ganze Zeit gefahren. Ausgeliehen hat es die Anna („die Anna“… tss … ich verliere meine Norddeutsche Sprache hier. Hilfeee: überall Süddeutsche), weil man mindestens 23 sein musste. Mit 5 Leuten waren wir unterwegs und das war sehr sehr cool. Es war total gut mal aus der Stadt herauszukommen. Die Natur ist überwältigend schön. Sehr kleine und enge, kurvige Bergstraßen gibt es hier. Dramatische Straßenzüge, wie ich sie in Deutschland wohl eher nicht gefahren wäre. Aber jetzt kann ich`s und unser Fiat Panda ist auch mutig überall hinaufgeklettert. Geschlafen haben wir unter freiem Himmel an einem Stausee auf 1000 Metern Höhe auf einem Bett aus Piniennadeln und Schlafsäcken. Alle Canarios haben uns für bekloppt gehalten. Aus eben den Selben Weichflöten-Gründen. Am zweiten Tag waren wir dann nach weitern Stunden Autofahrt an einem kleinen Steinstrand. Für Touristen unbekannt (uns vorher von einem Insider empfohlen) entdeckten wir hier eine Grotte in die die Wellen reinschlagen und einen schwarzen Sandstrand dahinter mit Wellen so groß, dass man auch ohne Surfbrett surfen konnte. Körperspannung vorausgesetzt. „Sei das Surfbrett, Jannis“

„Auf Arbeit“ geht alles so weiter wie bisher. Nur eben weniger stressig. Diese Arbeitsmoral ist echt phantastisch hier: Wenn ich mit Lorenzo im Garten arbeite, dann wird JEDER (jeder heißt jeder! Also JEDER), der vorbeigeht in ein Gespräch verwickelt. – Hält vom Arbeiten ab. Ist aber sehr cool. „Die zu erledigende Arbeit so entspannt wie möglich ableisten.“ So könnte man das Zusammenfassen. Ich muss mich daran noch gewöhnen und werde oft zur Ruhe gerufen, wenn ich mal mehr als nur oberflächlich das Beet sauber machen will. Vollkommen unnötig und anstrengend. Okay. Ich beschwer mich darüber nicht. Insgesamt würde ich sagen, bin ich schneller und gründlicher als die und außerdem nicht so verplant. Wenn 3 Leute im Bus über das Gelände fahren um Mülltüten einzuladen, würde man in Deutschland schon von Latenter Arbeitslosigkeit sprechen. Die deutschen Lehrer benutzen oft die Floskel „Spanische Sekunde“, wenn vorher die Rede war von: „Ja ich mach das, eine Sekunde…!“

Der Vorteil bei meiner Position (im Gegensatz zu den reinen Vorschulpraktikanten) ist, dass ich in Kontakt mit Schülern komme. Die Vorschulen sind schon eher etwas isoliert hier. Einige habe ich schon kennen gelernt, die erste Einladung fürs Wochenende auch schon. Man darf gespannt sein.

Das Nachtleben von Las Palmas hat zum Glück mehr zu bieten als meine erste, eher mäßige Erfahrung.

Und was liegt demnächst an?

Vielleicht werde ich einen Sprachkurs belegen. – denn ganz ohne Grammatik geht es leider wirklich nicht.

Ich werde umziehen. Tatsächlich habe ich mich zu diesem Schritt entschlossen, da ich nicht länger in „Unheimliches Viertel, nur mit dem Auto über Autobahnkreisel zugänglich, am Arsch von Las Palmas mit schlechter Busverbindung“ wohnen will und Aussicht auf ein Zimmer in „ungefähr auf der Mitte der imaginären Graden zwischen Strandviertel und Altstadt mit Super Busanbindung und auch Zu Fuß erreichbaren Highlights“ habe. Das was ich da mehr an Miete bezahlen würde, bezahle ich im Moment für Taxi und Bus (wenn er denn mal führe). Leider ist das Zimmer kleiner und ich muss in der Woche früher aufstehen. Die Frage: Wovor muss ich mehr Angst haben? Vor einer Mädels-WG oder meinem diabolischen, Stromschläge verteilenden Toaster hier? Habe ich bereits beantwortet und die Entscheidung steht. Nie wieder in Lomo Blanco mit einem Handtuch um meine Hände gewickelt um meinen Toaster herum hüpfen und versuchen ein Toast auf Entfernung einzuwerfen. Allein der exakte Zeitpunkt des Umzugs steht noch nicht fest.

Planänderung. Letzter Absatz ist schon gar nicht mehr aktuell. Habe nun eine Wohnung gefunden, in der ich mit einer Kollegin von der Schule wohnen werde. 100 Meter zum Strand. Mehr sag ich dazu nicht.

Ich habe mich außerdem mal in Sachen Chor informiert und werde jetzt wohl in den Schulchor eintreten. Naja sagen wir ich schau mir das morgen mal an denn: Die können alle vom Blatt singen und singen im Do Re Mi – System. Ob ich das hinkrieg…

Stay tuned

Euer Jannis

Verfasst von: jannisandresen | Oktober 6, 2007

Die erste richtige Woche

So. Jetzt ist Donnerstag und ich bin schon über eine Woche hier. Das Zeitgefühl ist total im Arsch und die Ankunft hier auf der Insel ist schon sooo weit weg. Es passiert einfach so viel. Montag hat für die Kinners hier die Schule angefangen. Es ging morgens los mit der Ankunft der Eltern mit ihren Kindern (vieeeeele Autos) und den Schulbussen (die Schule hat 7 eigene Schulbusse, die die Kinder von der ganzen Insel einsammeln; manche haben einen Schulweg von 1,5 Stunden). Ich durfte mit Segundo den Parkplatzeinweiser spielen. Dann gings weiter mit einer Schuljahreseröffnung in der absolut übertriebenen Aula (ein frei stehendes Gebäude mit ca 800 Sitzplätzen) durch den Schulleiter Herrn Kästner. Die ganze Veranstaltung war aber nicht so richtig spannend. Man hat aber sofort gemerkt, dass eine gute Stimmung an der Schule herrscht. Die Atmosphäre hier ist schon anders, als ich das kenne. Auf dem Schulhof tummeln sich jederzeit Grundschüler, Lehrer, Schüler, ab und zu zuckelt eine Gruppe 3,4, oder 5-jähriger Vorschulkinder in Zweierreihen vorbei und auch Eltern sieht man hier andauernd. (man merkt schon, dass das hier so ein bisschen das Zentrum für alle Deutschen auf der Insel ist – jeder kennt jeden usw.)

Ansonsten zeichnet sich für mich unaufhaltsam die Erkenntnis ab, dass es in einem Hausmeisterleben auch so etwas wie schnöden Alltag gibt. Es ist alles nicht mehr ganz so lustig wie mit den Möbelpackern. In dieser Woche habe ich gehämmert, gebohrt, gemalt, gefegt und viel gegärtnert mit Lorenzo. Letzteres macht mir richtig Spaß, den Müll ausleeren nicht. Außerdem hatten wir heute unseren ersten Regen (2 Minuten – Regenguss mittlerer Stärke). Insgesamt war das Wetter aber in der Woche wesentlich besser als in den ersten Tagen. Sonne Pur – die Bilder vermitteln einen kleinen Eindruck. Die ganzen Praktikanten in den Vorschulklassen (also die Leute mit denen ich bisher meine Freizeit verbringe) werden von den ganzen spanischen Kindern ziemlich gerockt. Spanische Kinder sind auch deutlich lebhafter als Deutsche. Zudem haben die meisten auch noch nicht mit Kindern zusammen gearbeitet. Aber auch das hat sich im Laufe der Woche immer mehr eingependelt. Allgemein sind wir aber alle wenn dann um halb 4 Schluss ist ziemlich rott. Weshalb in dieser Woche nur chillen am Strand und einen Abend noch n Bier trinken gehen auf dem Programm stand. Für mich wurde es aber Dienstag nochmal spannend. Da bin ich nämlich in meine Wohnung gezogen. Ich habe ein unwahrscheinlich günstiges und dafür großes und sauberes Zimmer gefunden, in einer Wohnung, welche Lorenzo der Gärtner vermietet. Leider ist die Gegend wohl recht unbeliebt hier und die Busverbindungen könnten auch besser sein. Naja dafür komme ich morgens und nach der Arbeit mit Lorenzo hin und her. Außerdem wohnen in dieser 3 Zimmerwohnung (jeder mit eigenem Bad – gemeinsames Wohn- und Küchenzimmer): Fran, 28 Jahre, der große dicke spanische Student, der schon 3 Jahre hier wohnt. In seinem Zimmer ist alles voller Politikbücher und Computerzeugs. Deshalb hatte ich die Naive Hoffnung, der kann ein bisschen Englisch – Nada! Der Typ ist pädagogisch so unbegabt, dass er mich mit Spanischer Akademiker-Fachausdrucksprache vollknallt und erwartet ich würde ihn verstehen. Aber auch der lernt noch dazu. Doof ist, dass er so laut schnarcht, dass ich das auch durch 2 Wände noch höre. Cool ist, dass er das für mich mit dem Internet regelt. Darüber hinaus wohnt hier noch ein anderer Spanier (ca 32), dessen Namen ich vergessen habe. Er ist Kellner und arbeitet mit Lorenzos Frau zusammen. Son richtiger schleimiger Südländer. Schwarze Hose, weißes Hemd, nach hinten gegelte Haare und Silbernes Kreuz um den Hals. Gestern war ich mit der ganzen (!) Familie von Lorenzo einkaufen. Er war so nett mir anzubieten mich zu so nem großen Supermarkt zu fahren. Ich dachte die müssen auch alle einkaufen. Nö. Die haben mich alle begleitet – komisches Gefühl. Dabei haben sie mich die ganze Zeit beim Einkauf beraten („Es bien, a mi casa!“ – „Das ist gut, hab ich auch zu Hause“) und selber nichts gekauft. Auf Familienausflüge wollen sie mich auch mitnehmen – AHHHHHH. Aber das krieg ich schon geregelt. Unter all diesen gegebenen Umständen sieht es so aus, als würde ich wohl von allen hier am schnellsten Spanisch lernen (müssen). Aber das ist ja nur gut so!

Die weiteren Aussichten:

Ab nächster Woche werde ich 2x 5 Stunden in der Vorschule eingesetzt. Dazu muss ich auch noch mit der Verwaltungsleiterin Susanne – die mächtigste Person hier, sie verwaltet das Geld; Privatschule – meine Arbeitszeiten abklären. Im Moment sieht es nämlich noch so aus als ob ich im Vergleich zu den Vorschulpraktikanten ziemlich ausgenommen werde.

Am Wochenende wollen wir uns mit 10 Leuten Autos mieten und endlich mal aus der Stadt rauskommen.

Mit einigen (leider bisher nur deutschen) Schülern haben wir uns auch schon son bisschen angefreundet. Die wohnen im Süden der Insel und wollen uns da auch auf jeden Fall mal mit hin nehmen. Die Deutschen Schüler sind entweder Lehrerkinder oder an der Schule weil sei Deutsche sind. Die Spanier sind an der deutschen Schule, weil die staatlichen Schulen einen schlechten Ruf haben und deshalb von ihren meist scheißreichen Eltern an eine Privatschule geschickt werden.

Die WG und ich haben uns jetzt vorgenommen, uns ein bis 2 Mal in der Woche zu treffen um Spanisch Grammatik zu pauken – Man darf gespannt sein.

Hasta Luego

Euer Jani

(so werde ich hier genannt – die Canarios schlucken jedes „S“, sprechen also alles Andere als sauberes Spanisch.“ Vamo! Adio! Beueno Dia!)

Verfasst von: jannisandresen | Oktober 6, 2007

Das erste Lebenszeichen

EINIGE  EINDRÜCKE  AUS  DEN  ERSTEN  TAGEN

Donnerstag 30.08.2007, 22.23 Uhr, Las Palmas de Grand Canaria, irgendeine Dachterrasse…

Nach meinem ersten richtigen Tag auf „der Insel“ sitze ich bei einem lauen Lüftchen und milden 23 Grad mit Niklas auf der Dachterrasse seiner Wohnung (in einem 6-stöckigen Großstadthaus), jeder auf einem ungemütlichen Stuhl ich mit meinem Laptop auf den Knien Niklas am rauchen und beide mit einer eiskalten Dose „Tropical“ (Canarisches Bier) in der Hand. Wir gucken auf die Stadt, die vor uns den Berg hochklettert und mit ihren Lichtern die vielen Wolken in oranges Licht taucht und schnacken (schnacken, das Wort kennt man nicht in Süddeutschland, Niklas findets aber cool und will es sich angewöhnen). Klingt kitschig, ist auch irgendwie so… Naja ob kitschig oder nicht, auf jeden Fall ist es alles ziemlich cool!

Aber nun von Anfang an: Gestern bin ich nachdem mich Tim, Mitja und meine Mum zum Flieger gebracht haben mit 16 Minuten verspätetem Abflug aber dennoch überpünktlicher Landung um 16.35 Uhr (Canarische Zeit – 17.35 Uhr deutscher Zeit) gelandet. Marios Flieger hatte eine Stunde Verspätung, weshalb ich mich dann alleine auf den Weg (Taxi) in die Stadt gemacht habe. Alleine nur mit einer Adresse bewaffnet in eine Großstadt (470000 Einwohner), die man nicht kennt, in einem Land dessen Sprache ich nicht spreche… das war schon echt erstmal mehr als nur ein bisschen aufregend. Zum Glück antwortete jemand, als ich die Klingel drückte und von dem Moment war alle Anspannung verflogen. Ich hause hier momentan auf einem freien Stück Fußboden in einer 4-Zimmerwohnung. Außerdem wohnen hier: Diego (der Spanier – er wohnt hier offiziell, wird aber nur sehr selten gesehen – ich hatte noch nicht das Vergnügen), Philipp (ein Deutscher, der jetzt sein Anerkennungsjahr als Erzieher am Deutschen Kindergarten startet), Anna und Niklas (beide Praktikanten an der Vorschule der Deutschen Schule) und Lilli (sie hat das letzte Jahr hier gewohnt, hat im Moment das andere freie Stück Fußboden und wartet darauf, endlich in ihre neue Wohnung umzuziehen). Alle sind super drauf und durch die ganzen Infos, die ich seit dem bekomme, wird alles sehr entspannt. Wir sind dann abends noch durch die Nachbarschaft gezogen und haben uns ein wenig umgeschaut. Las Palmas hat vor allem eines: viele Palmen. Ansonsten Einkaufszonen, die es mit jeder anderen Europäischen Großstadt aufnehmen können, viele hübsche Menschen, viele dicke Menschen, Autos, die dramatisch durch die Straßen heizen und noch ganz viel anderes… (krass oder)

Heute Morgen (Lilli hat sich ein Auto ausgeliehen) fuhren wir um halb Neun los zur Schule. Mit konstant 40 kmh über Tempolimit ging es über große Autobahnen und kleine hügelige Bergstraßenzüge zum Schulgelände der Deutschen Schule, welches etwas außerhalb liegt, aber noch im offiziellen Stadtgebiet liegt. Als wir aus dem Auto stiegen und um die Ecke auf den Schulhof kamen, standen alle Mitarbeiter und Lehrer schon zum Kollegiumsfoto bereit. Wir wurden prompt dazugestellt. Mein erstes Kollegiumsfoto – ein Anlass zur Freude oder der Anfang vom Ende?
Auf den ersten Blick fiel mir auf, dass das Schulgelände irgendwie eher einer Baustelle glich und mein erster Arbeitstag (Man stellte mir Lorenzo (den Gärtner) und Segundo (den Hausmeister) vor und dann gings auch sofort ab: Vamos!) sollte mir recht geben. Ein lang gestrecktes Schulgelände am Hang: Ein Dreistöckiges längliches Schulgebäude etwas darunter eine Laufbahn, etwas darunter ein Sportplatz, etwas darunter ein großer Sporthallenkomplex mit Mensa und diversen Fachräumen. Die Mission: bis Montag für die Ankunft der Kinder und Schüler bereit sein. Super Idee, wo doch in den Sommerferien im Bezug auf Raumaufteilung umstrukturiert, vieles Renoviert und umgestaltet wurde. Wenn etwas bei den Canarios in den Ferien gemacht werden soll (wie mir meine Verwaltungsleiterin erklärte…), dann heißt das, es wird die ganzen Ferien fast nichts gemacht und wenn es wirklich knapp wird (sprich jetzt!) wird richtig rangeklotzt. So sollte es dann auch sein. Das ganze Schulgelände war voller Bauarbeiter, Möbelpacker, Putzfrauen, Maler und Installateure. Die Schulleitung hatte sich überlegt, die Grundschule aus dem Westteil des Trakts in den Ostteil (wo das Gymnasium war) zu verlegen und umgekehrt. Außerdem eine Neuaufteilung der Fachräume. Das bedeutete für mich: kleine Tische und Stühle von West nach Ost schleppen und große Tische und Stühle von Ost nach West schleppen. Dabei bin ich Lorenzo und Segundo hinterhergelaufen (Vamos!) und wir haben uns irgendwie verständigt. Am lustigsten ist aber Lorenzo: Er hat mir versprochen in 3 Tagen spreche ich spanisch, freut sich wie ein Schneekönig über jedes Wort, dass ich checke und stellt mich bei allen Bauarbeitern mega stolz vor. Ich wäre sein „Amigo!“ „Un chico fuerte!“. Vermasselt habe ich es aber leider bei der Frage aller Fragen: „Real u Barca?“ Ich hab „Barca“ gesagt… großer Fehler. Als Segundo später auf die gleiche Frage kam, hab ich natürlich siegessicher „Real Madrid“ gesagt und lag, tadaaaa wieder falsch! Letztendlich hab ich dann erklärt ich sei „Derpotivo La Curuna“-Fan, das ist wie die Schweiz, neutral! Ansonsten bin ich viel mit den beiden in dem rostigen Hausmeisterbus der Schule über das Gelände geknattert und habe viel Spaß dabei gehabt, wie die beiden Chaoten die Bauarbeiter ausschimpften, sie würden viel zu viel Geld verdienen für den Scheiß den sie hier abliefern… Dabei wird wild gehupt, gestikuliert und geschrien und es macht allen sehr viel Spaß. Das Hauptgebäude der Schule werden wir vielleicht sogar noch bis zum Schulanfang schaffen, aber in der Mensa ist eine komplett neue Küche eingebaut worden (HEUTE!!!!) Da herrscht noch Sodom und Gomorra. Die beste Idee der Schulleitung aber hat mir heute mein persönliches Highlight beschert. Der Musikraum wird aus dem Sporthallenkomplex (das Gebäude am weitesten im Tal) in das oberste Stockwerk des Schulgebäudes (am weitesten Oben am Hang) verlegt. Das bedeutete für mich: 2 Stunden mit 7 kanarischen Möbelpackern und 2 kanarischen Hausmeistern Klaviere und Flügel herumtragen.

Sonntag, 02.09.2007

Seit ich mich das letzte Mal rangesetzt habe um etwas zu schreiben sind schon wieder einige Tage vergangen. Alles in Allem geht es mir weiterhin mehr als gut. Heimwehgefühle sind noch nicht da gewesen.

Nach einer selbstmörderischen Busfahrt die kleinen Straßen hoch zur Schule (vor einer Kurve hupt der viel zu schnell fahrende Busfahrer wild, damit die Verkehrsteilnehmer hinter der Kurve wissen, sie müssen jetzt gleich Platz machen), begann mein zweiter Arbeitstag am Freitag. Er sollte noch wesentlich lustiger aber auch anstrengender werden. Wir fingen praktisch da an, wo wir Donnerstag aufgehört hatten. Es galt diverse Klassenräume und Kindergartenräume komplett auszuräumen und woanders wieder aufzubauen. Dabei habe ich den ganzen Tag mit der Möbelpackerkompanie und dem Hausmeister Segundo verbracht. Von dem spanischen Bauarbeitergebrabbel, das hier so den ganzen Tag auf mich einprasselt, verstehe ich von Mal zu Mal mehr. Die Arbeit mit den Möbelpackern macht übelst viel Spaß. Das ist vielleicht ein Haufen. Es wird sich grundsätzlich Zeit für irgendwelche spaßigen Einlagen genommen. So kann man sich in etwa vorstellen, was passiert, wenn 7 Riesenbabys-Spielkinder-Spanier beim Kindergartenausräumen eine Verkleidungskiste entdecken. Oder es wird einfach mal die halbe Truppe für 10 Minuten im Möbellaster eingesperrt, welcher über die ganze Zeit wild am Wackeln war und obszöne Geräusche zu hören waren. Als wir die Tür wieder öffneten waren Segundo und ein Möbelpacker gerade dabei, eine Runde den typischen kanarischen Ringkampf zu kämpfen (das machen die auch andauernd) und der dritte war von den Anderen mit einer Bandschlinge um den Hals an die Lasterwand gefesselt worden. Witzig war auch als der eine sich im Schrank versteckte um den Anderen zu erschrecken, letztendlich aber in dem Moment aus dem Schrank sprang, als gerade eine der Kindergärtnerinnen davor stand. Persönliches Highlight am zweiten Tag? – die Fahrt im Möbelpackerbus zum Supermarkt um Frühstück zu kaufen. Wenn ich bisher immer von viel zu schnell und selbstmörderisch im Bezug auf den Verkehr geredet habe, dann hatte ich ja keine Ahnung, was noch alles geht. Das war das mit Abstand krasseste Autofahrerlebnis in meinem Leben. 120 kmh, kleine Kurven, links und rechts Abgründe, schmale Gassen, Gegenverkehr und ich hinten im Kofferraum – obwohl ich sehr viel Spaß dabei hatte, zeigten mir einige der Möbelpacker – anscheinend zur Beruhigung – an, der am Steuer sitzende sei komplett verrückt. Danke, jetzt geht’s mir besser…

Abends haben wir mit einigen Gästen lange hier in der Wohnung gesessen und sehr viel Spaß gehabt.

Am Samstag bin ich mit Niklas zum ersten Mal ans Wasser gegangen. Nachdem wir in echt coolen Wellen gebadet haben, haben wir den ganzen Surfern zugeschaut und sind anschließend den ganzen Playa de las Canteras (der riesige Stadtstrand von Las Palmas) abgelaufen. Abends waren wir mit den ganzen Leuten, die ich hier schon kenne bei einer Freundin in der Wohnung und anschließend in so einer Disco. Wenn ich ehrlich bin, war der Schuppen ein bisschen schlecht. Aber lustig wars trotzdem. Es ist auch im ersten Moment etwas gewöhnungsbedürftig der einzige blonde Junge im ganzen Club zu sein.

Was gibt es sonst noch so zu berichten? Ich werde Montag meine Wohnung beziehen. Ich habe herausgefunden, was hier der typische Nebenverdienst für Praktikanten an der Deutschen Schule ist: Nachhilfe. Wobei man unter Nachhilfe hier zu verstehen hat, dass man irgendwie 2 Stunden mit dem Kind verbringt und ich weiß nicht was macht: Eis essen gehen, zur Surfstunde begleiten, Fußball spielen, shoppen – alles natürlich auf Kosten der Eltern. Wichtig ist nur dabei, dass man mit dem Kind deutsch spricht. Ich glaube so ein Ding werde ich mir auf jeden Fall suchen.

Wenn ich so an das nächste Jahr denke, habe ich ein sehr gutes Gefühl. Ich habe schon nach 2 Tagen ein richtig kumpelhaftes Verhältnis zu Segundo, die Lehrer und Kindergärtnerinnen sind größtenteils echt cool, es macht mir Spaß die Sprache zu sprechen und es ist einfach schön hier. Blöd nur, dass man mit meinem Einkommen und den wahnsinnigen Lebensmittelpreisen jeden Cent 3 Mal umdrehen muss. Aber das kriegen wir schon alles hin. Ansonsten freue ich mich auf Montag (da beginnt das wilde Leben an der Schule) und auf ganz viele Nachrichten von euch!!!!

Ich vermisse euch!

Jannis

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