EINIGE EINDRÜCKE AUS DEN ERSTEN TAGEN
Donnerstag 30.08.2007, 22.23 Uhr, Las Palmas de Grand Canaria, irgendeine Dachterrasse…
Nach meinem ersten richtigen Tag auf „der Insel“ sitze ich bei einem lauen Lüftchen und milden 23 Grad mit Niklas auf der Dachterrasse seiner Wohnung (in einem 6-stöckigen Großstadthaus), jeder auf einem ungemütlichen Stuhl ich mit meinem Laptop auf den Knien Niklas am rauchen und beide mit einer eiskalten Dose „Tropical“ (Canarisches Bier) in der Hand. Wir gucken auf die Stadt, die vor uns den Berg hochklettert und mit ihren Lichtern die vielen Wolken in oranges Licht taucht und schnacken (schnacken, das Wort kennt man nicht in Süddeutschland, Niklas findets aber cool und will es sich angewöhnen). Klingt kitschig, ist auch irgendwie so… Naja ob kitschig oder nicht, auf jeden Fall ist es alles ziemlich cool!
Aber nun von Anfang an: Gestern bin ich nachdem mich Tim, Mitja und meine Mum zum Flieger gebracht haben mit 16 Minuten verspätetem Abflug aber dennoch überpünktlicher Landung um 16.35 Uhr (Canarische Zeit – 17.35 Uhr deutscher Zeit) gelandet. Marios Flieger hatte eine Stunde Verspätung, weshalb ich mich dann alleine auf den Weg (Taxi) in die Stadt gemacht habe. Alleine nur mit einer Adresse bewaffnet in eine Großstadt (470000 Einwohner), die man nicht kennt, in einem Land dessen Sprache ich nicht spreche… das war schon echt erstmal mehr als nur ein bisschen aufregend. Zum Glück antwortete jemand, als ich die Klingel drückte und von dem Moment war alle Anspannung verflogen. Ich hause hier momentan auf einem freien Stück Fußboden in einer 4-Zimmerwohnung. Außerdem wohnen hier: Diego (der Spanier – er wohnt hier offiziell, wird aber nur sehr selten gesehen – ich hatte noch nicht das Vergnügen), Philipp (ein Deutscher, der jetzt sein Anerkennungsjahr als Erzieher am Deutschen Kindergarten startet), Anna und Niklas (beide Praktikanten an der Vorschule der Deutschen Schule) und Lilli (sie hat das letzte Jahr hier gewohnt, hat im Moment das andere freie Stück Fußboden und wartet darauf, endlich in ihre neue Wohnung umzuziehen). Alle sind super drauf und durch die ganzen Infos, die ich seit dem bekomme, wird alles sehr entspannt. Wir sind dann abends noch durch die Nachbarschaft gezogen und haben uns ein wenig umgeschaut. Las Palmas hat vor allem eines: viele Palmen. Ansonsten Einkaufszonen, die es mit jeder anderen Europäischen Großstadt aufnehmen können, viele hübsche Menschen, viele dicke Menschen, Autos, die dramatisch durch die Straßen heizen und noch ganz viel anderes… (krass oder)
Heute Morgen (Lilli hat sich ein Auto ausgeliehen) fuhren wir um halb Neun los zur Schule. Mit konstant 40 kmh über Tempolimit ging es über große Autobahnen und kleine hügelige Bergstraßenzüge zum Schulgelände der Deutschen Schule, welches etwas außerhalb liegt, aber noch im offiziellen Stadtgebiet liegt. Als wir aus dem Auto stiegen und um die Ecke auf den Schulhof kamen, standen alle Mitarbeiter und Lehrer schon zum Kollegiumsfoto bereit. Wir wurden prompt dazugestellt. Mein erstes Kollegiumsfoto – ein Anlass zur Freude oder der Anfang vom Ende?
Auf den ersten Blick fiel mir auf, dass das Schulgelände irgendwie eher einer Baustelle glich und mein erster Arbeitstag (Man stellte mir Lorenzo (den Gärtner) und Segundo (den Hausmeister) vor und dann gings auch sofort ab: Vamos!) sollte mir recht geben. Ein lang gestrecktes Schulgelände am Hang: Ein Dreistöckiges längliches Schulgebäude etwas darunter eine Laufbahn, etwas darunter ein Sportplatz, etwas darunter ein großer Sporthallenkomplex mit Mensa und diversen Fachräumen. Die Mission: bis Montag für die Ankunft der Kinder und Schüler bereit sein. Super Idee, wo doch in den Sommerferien im Bezug auf Raumaufteilung umstrukturiert, vieles Renoviert und umgestaltet wurde. Wenn etwas bei den Canarios in den Ferien gemacht werden soll (wie mir meine Verwaltungsleiterin erklärte…), dann heißt das, es wird die ganzen Ferien fast nichts gemacht und wenn es wirklich knapp wird (sprich jetzt!) wird richtig rangeklotzt. So sollte es dann auch sein. Das ganze Schulgelände war voller Bauarbeiter, Möbelpacker, Putzfrauen, Maler und Installateure. Die Schulleitung hatte sich überlegt, die Grundschule aus dem Westteil des Trakts in den Ostteil (wo das Gymnasium war) zu verlegen und umgekehrt. Außerdem eine Neuaufteilung der Fachräume. Das bedeutete für mich: kleine Tische und Stühle von West nach Ost schleppen und große Tische und Stühle von Ost nach West schleppen. Dabei bin ich Lorenzo und Segundo hinterhergelaufen (Vamos!) und wir haben uns irgendwie verständigt. Am lustigsten ist aber Lorenzo: Er hat mir versprochen in 3 Tagen spreche ich spanisch, freut sich wie ein Schneekönig über jedes Wort, dass ich checke und stellt mich bei allen Bauarbeitern mega stolz vor. Ich wäre sein „Amigo!“ „Un chico fuerte!“. Vermasselt habe ich es aber leider bei der Frage aller Fragen: „Real u Barca?“ Ich hab „Barca“ gesagt… großer Fehler. Als Segundo später auf die gleiche Frage kam, hab ich natürlich siegessicher „Real Madrid“ gesagt und lag, tadaaaa wieder falsch! Letztendlich hab ich dann erklärt ich sei „Derpotivo La Curuna“-Fan, das ist wie die Schweiz, neutral! Ansonsten bin ich viel mit den beiden in dem rostigen Hausmeisterbus der Schule über das Gelände geknattert und habe viel Spaß dabei gehabt, wie die beiden Chaoten die Bauarbeiter ausschimpften, sie würden viel zu viel Geld verdienen für den Scheiß den sie hier abliefern… Dabei wird wild gehupt, gestikuliert und geschrien und es macht allen sehr viel Spaß. Das Hauptgebäude der Schule werden wir vielleicht sogar noch bis zum Schulanfang schaffen, aber in der Mensa ist eine komplett neue Küche eingebaut worden (HEUTE!!!!) Da herrscht noch Sodom und Gomorra. Die beste Idee der Schulleitung aber hat mir heute mein persönliches Highlight beschert. Der Musikraum wird aus dem Sporthallenkomplex (das Gebäude am weitesten im Tal) in das oberste Stockwerk des Schulgebäudes (am weitesten Oben am Hang) verlegt. Das bedeutete für mich: 2 Stunden mit 7 kanarischen Möbelpackern und 2 kanarischen Hausmeistern Klaviere und Flügel herumtragen.
Sonntag, 02.09.2007
Seit ich mich das letzte Mal rangesetzt habe um etwas zu schreiben sind schon wieder einige Tage vergangen. Alles in Allem geht es mir weiterhin mehr als gut. Heimwehgefühle sind noch nicht da gewesen.
Nach einer selbstmörderischen Busfahrt die kleinen Straßen hoch zur Schule (vor einer Kurve hupt der viel zu schnell fahrende Busfahrer wild, damit die Verkehrsteilnehmer hinter der Kurve wissen, sie müssen jetzt gleich Platz machen), begann mein zweiter Arbeitstag am Freitag. Er sollte noch wesentlich lustiger aber auch anstrengender werden. Wir fingen praktisch da an, wo wir Donnerstag aufgehört hatten. Es galt diverse Klassenräume und Kindergartenräume komplett auszuräumen und woanders wieder aufzubauen. Dabei habe ich den ganzen Tag mit der Möbelpackerkompanie und dem Hausmeister Segundo verbracht. Von dem spanischen Bauarbeitergebrabbel, das hier so den ganzen Tag auf mich einprasselt, verstehe ich von Mal zu Mal mehr. Die Arbeit mit den Möbelpackern macht übelst viel Spaß. Das ist vielleicht ein Haufen. Es wird sich grundsätzlich Zeit für irgendwelche spaßigen Einlagen genommen. So kann man sich in etwa vorstellen, was passiert, wenn 7 Riesenbabys-Spielkinder-Spanier beim Kindergartenausräumen eine Verkleidungskiste entdecken. Oder es wird einfach mal die halbe Truppe für 10 Minuten im Möbellaster eingesperrt, welcher über die ganze Zeit wild am Wackeln war und obszöne Geräusche zu hören waren. Als wir die Tür wieder öffneten waren Segundo und ein Möbelpacker gerade dabei, eine Runde den typischen kanarischen Ringkampf zu kämpfen (das machen die auch andauernd) und der dritte war von den Anderen mit einer Bandschlinge um den Hals an die Lasterwand gefesselt worden. Witzig war auch als der eine sich im Schrank versteckte um den Anderen zu erschrecken, letztendlich aber in dem Moment aus dem Schrank sprang, als gerade eine der Kindergärtnerinnen davor stand. Persönliches Highlight am zweiten Tag? – die Fahrt im Möbelpackerbus zum Supermarkt um Frühstück zu kaufen. Wenn ich bisher immer von viel zu schnell und selbstmörderisch im Bezug auf den Verkehr geredet habe, dann hatte ich ja keine Ahnung, was noch alles geht. Das war das mit Abstand krasseste Autofahrerlebnis in meinem Leben. 120 kmh, kleine Kurven, links und rechts Abgründe, schmale Gassen, Gegenverkehr und ich hinten im Kofferraum – obwohl ich sehr viel Spaß dabei hatte, zeigten mir einige der Möbelpacker – anscheinend zur Beruhigung – an, der am Steuer sitzende sei komplett verrückt. Danke, jetzt geht’s mir besser…
Abends haben wir mit einigen Gästen lange hier in der Wohnung gesessen und sehr viel Spaß gehabt.
Am Samstag bin ich mit Niklas zum ersten Mal ans Wasser gegangen. Nachdem wir in echt coolen Wellen gebadet haben, haben wir den ganzen Surfern zugeschaut und sind anschließend den ganzen Playa de las Canteras (der riesige Stadtstrand von Las Palmas) abgelaufen. Abends waren wir mit den ganzen Leuten, die ich hier schon kenne bei einer Freundin in der Wohnung und anschließend in so einer Disco. Wenn ich ehrlich bin, war der Schuppen ein bisschen schlecht. Aber lustig wars trotzdem. Es ist auch im ersten Moment etwas gewöhnungsbedürftig der einzige blonde Junge im ganzen Club zu sein.
Was gibt es sonst noch so zu berichten? Ich werde Montag meine Wohnung beziehen. Ich habe herausgefunden, was hier der typische Nebenverdienst für Praktikanten an der Deutschen Schule ist: Nachhilfe. Wobei man unter Nachhilfe hier zu verstehen hat, dass man irgendwie 2 Stunden mit dem Kind verbringt und ich weiß nicht was macht: Eis essen gehen, zur Surfstunde begleiten, Fußball spielen, shoppen – alles natürlich auf Kosten der Eltern. Wichtig ist nur dabei, dass man mit dem Kind deutsch spricht. Ich glaube so ein Ding werde ich mir auf jeden Fall suchen.
Wenn ich so an das nächste Jahr denke, habe ich ein sehr gutes Gefühl. Ich habe schon nach 2 Tagen ein richtig kumpelhaftes Verhältnis zu Segundo, die Lehrer und Kindergärtnerinnen sind größtenteils echt cool, es macht mir Spaß die Sprache zu sprechen und es ist einfach schön hier. Blöd nur, dass man mit meinem Einkommen und den wahnsinnigen Lebensmittelpreisen jeden Cent 3 Mal umdrehen muss. Aber das kriegen wir schon alles hin. Ansonsten freue ich mich auf Montag (da beginnt das wilde Leben an der Schule) und auf ganz viele Nachrichten von euch!!!!
Ich vermisse euch!
Jannis


Lina
2 Sep 2007 19:42
Hallo einziger Blonder Wink ,
Das ist aber schön, hier ein bekanntes Gesicht zu erblicken…
Deine ersten Tage hören sich sehr spannend an und wahrscheinlich bist du der Einzige aus der IB-Gruppe, welchem diese Autofahrten Spaß machen können_denn wer solche Horrorspielchen auf einem Seminar veranstaltet, kann auch mal mit verrückten Autofahrern im Kofferrraum verbringen Wink
Lass’ es dir gut ergehen und guck, wenn du magst, auch mal bei mir vorbei! (linaswelt.wobistdujetzt.com)
Alles Liebe
Atal
2 Sep 2007 22:26
hey jannis
geile scheiße man was du schon erlebt hast. wenn ich ganz ehrlich bin würde ich liebend gern jetzt mit dir tauschen, aber ich glaube das würdest du nicht wollen, wahr!?!? naja ich wollte mich einfach nur auf diese seite verewigen und dir weiterhin so viel spaß wünschen und achja grüß mal von mir die spanierinnen und zeig denen ruhig von mir paar fotos.vllt komm ich ja mit jojo mal vorbei Wink naja hauste rein mein lieber und bis zu der nächsten mail. bitte wieder so viel spannendes reinpacken!!!!!
Anjita
2 Sep 2007 23:10
hola mi amigo!
que pasa?soy muy bien a americá.
your days sound awesome as well! meld dich bald mal wieder,
aber hör auf so viel zu schreiben, das kann doch niemand lesen Wink
amuse-toi, mon émigrant!
Farvel og knus, anja
Jannis
3 Sep 2007 15:54
Ist echt voll lang geworden. Ich hab einfach drauf losgeschrieben. Sorrz dafuer. In Zukunft werde ich wohl mal ein paar Fotos an Start bekommen.
Marieke
4 Sep 2007 16:36
hey jannis…
wahnsinn..das scheinst du ja echt nen jackpotgewinn bekommen zu haben.Freu dich,hier ist das Leben wie immer sehr langweilig,naya mehr oder weniger=P…weiterhin viel spaß wünsch ich dir…
lieben gruß marieke=)..
Anne Hippie;)
5 Sep 2007 21:49
Hi JanniSmile ich hab kichernd bei deinem Bericht gesessen und hätte auch noch hundert Stunden weitter gelesenSmile Machs weiter gut, deine Anne
Tjark
ob das in allen ländern so aussieht, in denen man spanisch spricht? Jannis… hau rein. lass die sau raus und lass den kopf niemals hängen! LG Tjark
5 Sep 2007 23:03
Wow… so auf den Bildern sieht Gran Canaria aus wie Spanien
Lisiii
6 Sep 2007 23:57
na mein liebster cousin! Das hört sich ja absolut spitze an bei dirSmilehar det skid hamrene fedt der over!!! har dig utrolig kaer, kys og kram din lille Lisi
Anni
7 Sep 2007 17:44
Boah hast du das gut da unten=)…Nach deinen sehr langen Texten zufolge, schätze ich das du seeehr viel Spaß hast und hoffe natürlich,dass das auch so bleibt=)Ich würde jetzt gerne auch da unten sein denn unser alltag ist im gegensatz zu deinem alltag eher langweilig…und kalt…Naja vermisse dich Nk2 war geil mir dir und ich warte auf die nächste spannende Mail von dir=):-*
Jessy
11 Sep 2007 20:42
Hey Jannis!
Endlich kam ich ma dazu, deine Seite zu lesen…is ya echt alles hammer geil bei dir! Ich wünsch dir noch sehr viel Spaß & schreib weiter so viel… is echt cool, dass alles zu lesen, man fühlt sich, als wär man selbst da!
HDL Jessy
Jill
25 Sep 2007 22:43
Wow, nich schlecht,was du da berichtest…da bekomm ich glatt fernweh,erst recht ,wenn ich hier ausm Fenster gucke und die graue, nasse Landschaft sehe..aber naja,man kann nicht alles haben! dir noch ganz viel Freude und immer schön weiter berichten Wink lg,die jill =) :-*
Von: Kommentare vom alten Blog am Oktober 6, 2007
um 7:51