So. Jetzt ist Donnerstag und ich bin schon über eine Woche hier. Das Zeitgefühl ist total im Arsch und die Ankunft hier auf der Insel ist schon sooo weit weg. Es passiert einfach so viel. Montag hat für die Kinners hier die Schule angefangen. Es ging morgens los mit der Ankunft der Eltern mit ihren Kindern (vieeeeele Autos) und den Schulbussen (die Schule hat 7 eigene Schulbusse, die die Kinder von der ganzen Insel einsammeln; manche haben einen Schulweg von 1,5 Stunden). Ich durfte mit Segundo den Parkplatzeinweiser spielen. Dann gings weiter mit einer Schuljahreseröffnung in der absolut übertriebenen Aula (ein frei stehendes Gebäude mit ca 800 Sitzplätzen) durch den Schulleiter Herrn Kästner. Die ganze Veranstaltung war aber nicht so richtig spannend. Man hat aber sofort gemerkt, dass eine gute Stimmung an der Schule herrscht. Die Atmosphäre hier ist schon anders, als ich das kenne. Auf dem Schulhof tummeln sich jederzeit Grundschüler, Lehrer, Schüler, ab und zu zuckelt eine Gruppe 3,4, oder 5-jähriger Vorschulkinder in Zweierreihen vorbei und auch Eltern sieht man hier andauernd. (man merkt schon, dass das hier so ein bisschen das Zentrum für alle Deutschen auf der Insel ist – jeder kennt jeden usw.)
Ansonsten zeichnet sich für mich unaufhaltsam die Erkenntnis ab, dass es in einem Hausmeisterleben auch so etwas wie schnöden Alltag gibt. Es ist alles nicht mehr ganz so lustig wie mit den Möbelpackern. In dieser Woche habe ich gehämmert, gebohrt, gemalt, gefegt und viel gegärtnert mit Lorenzo. Letzteres macht mir richtig Spaß, den Müll ausleeren nicht. Außerdem hatten wir heute unseren ersten Regen (2 Minuten – Regenguss mittlerer Stärke). Insgesamt war das Wetter aber in der Woche wesentlich besser als in den ersten Tagen. Sonne Pur – die Bilder vermitteln einen kleinen Eindruck. Die ganzen Praktikanten in den Vorschulklassen (also die Leute mit denen ich bisher meine Freizeit verbringe) werden von den ganzen spanischen Kindern ziemlich gerockt. Spanische Kinder sind auch deutlich lebhafter als Deutsche. Zudem haben die meisten auch noch nicht mit Kindern zusammen gearbeitet. Aber auch das hat sich im Laufe der Woche immer mehr eingependelt. Allgemein sind wir aber alle wenn dann um halb 4 Schluss ist ziemlich rott. Weshalb in dieser Woche nur chillen am Strand und einen Abend noch n Bier trinken gehen auf dem Programm stand. Für mich wurde es aber Dienstag nochmal spannend. Da bin ich nämlich in meine Wohnung gezogen. Ich habe ein unwahrscheinlich günstiges und dafür großes und sauberes Zimmer gefunden, in einer Wohnung, welche Lorenzo der Gärtner vermietet. Leider ist die Gegend wohl recht unbeliebt hier und die Busverbindungen könnten auch besser sein. Naja dafür komme ich morgens und nach der Arbeit mit Lorenzo hin und her. Außerdem wohnen in dieser 3 Zimmerwohnung (jeder mit eigenem Bad – gemeinsames Wohn- und Küchenzimmer): Fran, 28 Jahre, der große dicke spanische Student, der schon 3 Jahre hier wohnt. In seinem Zimmer ist alles voller Politikbücher und Computerzeugs. Deshalb hatte ich die Naive Hoffnung, der kann ein bisschen Englisch – Nada! Der Typ ist pädagogisch so unbegabt, dass er mich mit Spanischer Akademiker-Fachausdrucksprache vollknallt und erwartet ich würde ihn verstehen. Aber auch der lernt noch dazu. Doof ist, dass er so laut schnarcht, dass ich das auch durch 2 Wände noch höre. Cool ist, dass er das für mich mit dem Internet regelt. Darüber hinaus wohnt hier noch ein anderer Spanier (ca 32), dessen Namen ich vergessen habe. Er ist Kellner und arbeitet mit Lorenzos Frau zusammen. Son richtiger schleimiger Südländer. Schwarze Hose, weißes Hemd, nach hinten gegelte Haare und Silbernes Kreuz um den Hals. Gestern war ich mit der ganzen (!) Familie von Lorenzo einkaufen. Er war so nett mir anzubieten mich zu so nem großen Supermarkt zu fahren. Ich dachte die müssen auch alle einkaufen. Nö. Die haben mich alle begleitet – komisches Gefühl. Dabei haben sie mich die ganze Zeit beim Einkauf beraten („Es bien, a mi casa!“ – „Das ist gut, hab ich auch zu Hause“) und selber nichts gekauft. Auf Familienausflüge wollen sie mich auch mitnehmen – AHHHHHH. Aber das krieg ich schon geregelt. Unter all diesen gegebenen Umständen sieht es so aus, als würde ich wohl von allen hier am schnellsten Spanisch lernen (müssen). Aber das ist ja nur gut so!
Die weiteren Aussichten:
Ab nächster Woche werde ich 2x 5 Stunden in der Vorschule eingesetzt. Dazu muss ich auch noch mit der Verwaltungsleiterin Susanne – die mächtigste Person hier, sie verwaltet das Geld; Privatschule – meine Arbeitszeiten abklären. Im Moment sieht es nämlich noch so aus als ob ich im Vergleich zu den Vorschulpraktikanten ziemlich ausgenommen werde.
Am Wochenende wollen wir uns mit 10 Leuten Autos mieten und endlich mal aus der Stadt rauskommen.
Mit einigen (leider bisher nur deutschen) Schülern haben wir uns auch schon son bisschen angefreundet. Die wohnen im Süden der Insel und wollen uns da auch auf jeden Fall mal mit hin nehmen. Die Deutschen Schüler sind entweder Lehrerkinder oder an der Schule weil sei Deutsche sind. Die Spanier sind an der deutschen Schule, weil die staatlichen Schulen einen schlechten Ruf haben und deshalb von ihren meist scheißreichen Eltern an eine Privatschule geschickt werden.
Die WG und ich haben uns jetzt vorgenommen, uns ein bis 2 Mal in der Woche zu treffen um Spanisch Grammatik zu pauken – Man darf gespannt sein.
Hasta Luego
Euer Jani
(so werde ich hier genannt – die Canarios schlucken jedes „S“, sprechen also alles Andere als sauberes Spanisch.“ Vamo! Adio! Beueno Dia!)