Verfasst von: jannisandresen | Oktober 6, 2007

Schon 3 Wochen – und es bleibt spannend…

EINIGE EINDRÜCKE VON UNSEREM ERSTEN ROADTRIP

Was gibt es neues hier auf der Insel? Also das Wetter jedenfalls nicht: Jeden Tag 28 – 31 Grad, leichte Brise, bis 11 Uhr leicht bewölkt, danach reißt es immer auf – wie ein Uhrwerk…

Aber man gewöhnt sich tatsächlich auch an sowas. In den ersten Tagen noch unvorstellbar: ich hatte schon 2 Mal ne lange Hose an! (okeee Abends – aber immerhin) Die Spanier hüpfen hier fröhlich mit ihren Kapuzenpullis rum und können unsere Nöte nicht nachvollziehen. Dann erzählen sie immer das ja bald Winter ist. JAAAA dieser schreckliche bitterböse Winter den es hier gibt. Uhhhhhhhh. 15 Grad. Alles Weichflöten hier: hoffentlich behalte ich meine nordische „Härte“!

Rückblick auf die letzen Wochen:

An einem Wochenende haben wir uns ein Auto gemietet und sind über die Insel gefahren. Ich bin die ganze Zeit gefahren. Ausgeliehen hat es die Anna („die Anna“… tss … ich verliere meine Norddeutsche Sprache hier. Hilfeee: überall Süddeutsche), weil man mindestens 23 sein musste. Mit 5 Leuten waren wir unterwegs und das war sehr sehr cool. Es war total gut mal aus der Stadt herauszukommen. Die Natur ist überwältigend schön. Sehr kleine und enge, kurvige Bergstraßen gibt es hier. Dramatische Straßenzüge, wie ich sie in Deutschland wohl eher nicht gefahren wäre. Aber jetzt kann ich`s und unser Fiat Panda ist auch mutig überall hinaufgeklettert. Geschlafen haben wir unter freiem Himmel an einem Stausee auf 1000 Metern Höhe auf einem Bett aus Piniennadeln und Schlafsäcken. Alle Canarios haben uns für bekloppt gehalten. Aus eben den Selben Weichflöten-Gründen. Am zweiten Tag waren wir dann nach weitern Stunden Autofahrt an einem kleinen Steinstrand. Für Touristen unbekannt (uns vorher von einem Insider empfohlen) entdeckten wir hier eine Grotte in die die Wellen reinschlagen und einen schwarzen Sandstrand dahinter mit Wellen so groß, dass man auch ohne Surfbrett surfen konnte. Körperspannung vorausgesetzt. „Sei das Surfbrett, Jannis“

„Auf Arbeit“ geht alles so weiter wie bisher. Nur eben weniger stressig. Diese Arbeitsmoral ist echt phantastisch hier: Wenn ich mit Lorenzo im Garten arbeite, dann wird JEDER (jeder heißt jeder! Also JEDER), der vorbeigeht in ein Gespräch verwickelt. – Hält vom Arbeiten ab. Ist aber sehr cool. „Die zu erledigende Arbeit so entspannt wie möglich ableisten.“ So könnte man das Zusammenfassen. Ich muss mich daran noch gewöhnen und werde oft zur Ruhe gerufen, wenn ich mal mehr als nur oberflächlich das Beet sauber machen will. Vollkommen unnötig und anstrengend. Okay. Ich beschwer mich darüber nicht. Insgesamt würde ich sagen, bin ich schneller und gründlicher als die und außerdem nicht so verplant. Wenn 3 Leute im Bus über das Gelände fahren um Mülltüten einzuladen, würde man in Deutschland schon von Latenter Arbeitslosigkeit sprechen. Die deutschen Lehrer benutzen oft die Floskel „Spanische Sekunde“, wenn vorher die Rede war von: „Ja ich mach das, eine Sekunde…!“

Der Vorteil bei meiner Position (im Gegensatz zu den reinen Vorschulpraktikanten) ist, dass ich in Kontakt mit Schülern komme. Die Vorschulen sind schon eher etwas isoliert hier. Einige habe ich schon kennen gelernt, die erste Einladung fürs Wochenende auch schon. Man darf gespannt sein.

Das Nachtleben von Las Palmas hat zum Glück mehr zu bieten als meine erste, eher mäßige Erfahrung.

Und was liegt demnächst an?

Vielleicht werde ich einen Sprachkurs belegen. – denn ganz ohne Grammatik geht es leider wirklich nicht.

Ich werde umziehen. Tatsächlich habe ich mich zu diesem Schritt entschlossen, da ich nicht länger in „Unheimliches Viertel, nur mit dem Auto über Autobahnkreisel zugänglich, am Arsch von Las Palmas mit schlechter Busverbindung“ wohnen will und Aussicht auf ein Zimmer in „ungefähr auf der Mitte der imaginären Graden zwischen Strandviertel und Altstadt mit Super Busanbindung und auch Zu Fuß erreichbaren Highlights“ habe. Das was ich da mehr an Miete bezahlen würde, bezahle ich im Moment für Taxi und Bus (wenn er denn mal führe). Leider ist das Zimmer kleiner und ich muss in der Woche früher aufstehen. Die Frage: Wovor muss ich mehr Angst haben? Vor einer Mädels-WG oder meinem diabolischen, Stromschläge verteilenden Toaster hier? Habe ich bereits beantwortet und die Entscheidung steht. Nie wieder in Lomo Blanco mit einem Handtuch um meine Hände gewickelt um meinen Toaster herum hüpfen und versuchen ein Toast auf Entfernung einzuwerfen. Allein der exakte Zeitpunkt des Umzugs steht noch nicht fest.

Planänderung. Letzter Absatz ist schon gar nicht mehr aktuell. Habe nun eine Wohnung gefunden, in der ich mit einer Kollegin von der Schule wohnen werde. 100 Meter zum Strand. Mehr sag ich dazu nicht.

Ich habe mich außerdem mal in Sachen Chor informiert und werde jetzt wohl in den Schulchor eintreten. Naja sagen wir ich schau mir das morgen mal an denn: Die können alle vom Blatt singen und singen im Do Re Mi – System. Ob ich das hinkrieg…

Stay tuned

Euer Jannis


Antworten

  1. Hallo Jannis,
    endlich komme ich dazu, dir eine kurze Mitteilung zu schreiben.
    Ich war in den Herbstferien ein paar Tage in Schleswig und bin von Gisela gleich ins Internet geschleift worden (und das von deiner Mutter!!!), um mir deine Berichte durchzulesen und die Bilder anzugucken.
    Toll, dass du dir die Zeit nimmst, die Daheimgebliebenenen an deinem Leben teilhaben zu lassen. Bitte gerne weitere ausführliche Berichte!
    Marike war wie immer, ganz in ihren „Welten“ drin. Den ersten Tag haben wir Mary Poppins nachgeeifert und am 2. Tag war sie dann Nschotschi. Süß und ein bisschen abgedreht wie immer. Richtig herrlich! Besonders gut war, dass sie am letzten Abend auf die NAchfrage, ob sie jetzt glücklich sei, wo sie doch genau alles so durchleben konnte, wie sie sich das vorgestellt hatte, antwortete, jaa schon, aber eigentlich hätte sie die Tage doch nur für mich so gestaltet, weil ich das immer so toll finden würde!!! Deine Mutter und ich mussten uns sehr zusammenreißen, um nicht laut loszulachen.
    Ansonsten ist in Lübeck alles beim Alten. Die Schule hat kaum eine Woche angefangen und man hat schon wieder das Gefühl ferienreif zu sein.
    Liebe Grüße aus dem kalten und regnerischen Lübeck, Julia


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