Neue Wohnung: Wie bereits angedeutet bin ich mittlerweile (seit fast 3 Wochen) umgezogen. Ich wohne jetzt sehr nah am Strand und mit einer jungen Grundschullehrerin zusammen. Hier an „meinem Strand“ gibt es Wellen so groß, dass sogar Wellen-können-nicht-groß-genug-sein-Jannis wie ein kleines Stück Holz mit 5-fachen Umdrehungen durch die Gegend bzw. auf den Strand geschleudert wird um anschließend mit viel Respekt und ein bisschen Hose voll zurück auf sein Handtuch zu kriechen. Aber das ist die Ausnahme. Meistens macht es super viel Spaß. Es ist ein richtig geiles Gefühl, wenn sich vor einem so eine 3-4 Meter Wand aufbaut. Also insgesamt läuft es wohntechnisch hier alles absolut hervorragend und ich möchte jetzt erstmal nicht mehr weg. (Ausgenommen sind die Tage Montag, Dienstag, Mittwoch dieser Woche, an denen wir kein Wasser hatten. Also immer nur morgens nicht. Ein super Gefühl morgens nicht einmal pinkeln zu können, ohne vorher angezogen und mit Rucksack gepackt zu einer Freundin 3 Blocks weiter zu rennen um zu duschen und sonstige Geschäfte zu verrichten. Aber mittlerweile ist das Wasser zurück.)
Arbeit: Die Arbeit ist wirklich anstrengend (im letzten Bericht Geschildertes, galt leider für die letzten 2 Wochen nicht mehr…)
Sprachkurs: Um mangelnden grammatikalischen Kenntnissen entgegenzuwirken bin ich jetzt doch tatsächlich in einen Sprachkurs eingetreten. Das ist hier so eine Art Volkshochschule und mein Lehrer heißt Salvador – ein ziemlich abgedrehter Typ. Wir haben uns mit echt vielen von den Praktikanten da angemeldet, aber jedes Deutsches Wort wird von Salvador sofort erfolgreich unterbunden. Zu erst hat er uns alle in den Level 2 Kurs gesteckt, um mal zu gucken, wie wir so zu Recht kommen. In der besagten Probestunde hat man dann aber recht schnell gesehen, wie die Niveaus auseinanderklaffen. Immerhin haben wir Leute dabei, die schon einige Jahre Spanischkenntnisse in Schule und/oder Uni erworben haben und eben Anfänger. Mich erfreut die Tatsache, dass ich es wahrscheinlich mit meinem 1-Monat-Sprung-ins-kalte-Wasser-Spanisch doch schon so weit gebracht habe, dass ich in dem 2 Mal pro Woche stattfindenden Niveau 2 Kurs bleiben kann. Es ist zwar noch etwas zu schwer. Aber eben auch nur etwas. Es motiviert und ist glaube ich genau richtig. Gestern sind während der Stunde 4 Amerikaner bzw. Kanadier in unseren Kurs geplatzt. Sie wurden sofort integriert und anschließend stellte sich heraus, dass sie an der Amerikanischen Schule Las Palmas arbeiten. Gleichgesinnte also. Nach dem Kurs sind wir dann alle an der Strandpromenade Pizza und Bier konsumieren gegangen. Das war seit langem einer der witzigsten Abende. Außerdem konnte ich mal wieder schön viel Englisch sprechen. Das hab ich auch echt schon vermisst hier!
Nebenverdienst: Um mangelnder Fülle meines Portemonnaies und meiner bisher auch deshalb leicht einseitigen Ernährung entgegenzuwirken habe ich jetzt doch tatsächlich eine Nachhilfestelle angetreten. Und zwar eine von diesen „Nachhilfe“-Stellen, bei denen man dem Kind (in meinem Fall ein 5-jähriger Junge aus der Vorschule) einfach deutschen Umgang ermöglichen soll. So bin ich jetzt 2 Mal die Woche damit beschäftigt dem kleinen Carlos beim Schwimmen, Tennis-, Fußball-, Computerspielen, Buchlesen oder Essen etwas Deutsch mitzugeben. Carlos ist ein supercooles Kind was sehr schnell lernt. Also wirklich richtig schnell. Seine größere Schwester aus der Dritten spricht auch schon so richtig gut Deutsch! Schlaue Familie denk ich.
Freizeitgestaltung: Um ebenfalls mangelnder Abwechslung im Freizeitbereich (Strand, Strand, Strand, Strand…) entgegenzuwirken wollte ich mich, wie ja schon im letzten Bericht angekündigt um einen Chor bemühen. Nachdem sich herausgestellt hat, dass der Schulchor zwar ganz nett ist (und wir alle wissen was „ganz nett“ bedeutet), aber mich auch nicht so richtig anspricht, hat sich zum Glück noch eine weitere Möglichkeit aufgetan, die ich jetzt auf jeden Fall weiter verfolgen werde. Es gibt hier am Auditorium der Stadt (Opern-, Konzert- und Kinosaal, außerdem Kongresszentrum und was weiß ich nicht noch alles…) einen Chor von dem mir ein Paar Schüler erzählt haben. Ich bin dann letzte Woche da einmal zur Probe gewesen und das war echt mal cool. Also da sind wirklich ausschließlich Spanier im Alter von 16 bis 24. Die haben unter anderem auch ein Deutsches Lied im Programm und mussten gleich bei meinem ersten Mal ausnutzen, das nun ein Deutscher da ist. Nachdem ich wie jeder neue mit Applaus begrüßt wurde, musste ich den deutschen Text doppelt und dreifach und schön langsam und artikuliert (Herr Harder wäre begeistert…) vorlesen. Die ganzen anderen haben sich dann den Text so auf Spanisch darunter geschrieben, wie sie das aussprechen würden. Anschließend haben die mir das vorgesungen offensichtlich in der Erwartung, das wäre jetzt super schlecht. Aber es war richtig gut. Ich war überrascht und nachdem ich denen das erzählt habe, da standen die Münder aber sooo weit offen. Aus einem kurzen Schock entstand dann lautes Gelächter und stürmischer Beifall über dieses unverhoffte Lob… Jaja, bei den Spaniern ist schnell die Stimmung ganz oben.
Roadtrip 2: Am Tag der deutschen Einheit (Schulfrei) haben wir das nette Angebot eines meiner Arbeitskollegen wahrgenommen und sind mit ihm (im Prinzip die gleiche Truppe wie vom ersten Mal) mit seinem Allrad-Geländewagen etwas über die Insel gecruist. Der Roadtrip 2 war zwar nur halb so lang, aber wir haben doch nochmal einige tolle neue Plätze gesehen. Dabei haben wir uns den Touristensüden zum ersten Mal bewusst reingezogen. Die haben sich da schon Mühe gegeben, das recht schön zu machen. Aber man weiß auch, dass jede noch so kleine Pflanze künstlich bewässert werden muss. Insgesamt ist das alles eben hauptsächlich Eines: Künstlich. Wie Touristeneldorados wohl überall sind. Aber es gibt schon krasse Hotels da. Das Eine (größte und tollste) wollten wir uns mal näher angucken. Kein Problem meinte unsere kompetente Reisebegleitung – allerdings nur nach einer kleinen Instruktion. Wir müssten behaupten, wir würden für unsere Eltern Hotels besichtigen, die die nächsten Ferien kommen wollen. Ok… keine 3 Sekunden auf dem Gelände kommen 2 Securities mit Elektrorollwagen und Fahrradhelm auf uns zu, die uns genau unter die Lupe nehmen und nach unseren Absichten fragen. Unser Plan ist aber aufgegangen und als Belohnung konnten wir uns dann (nachdem wir unsere Taschen abgegeben hatten – damit wir auch ja nicht einfach so im Pool baden) frei bewegen und uns den größten Pool der Welt angucken (höhöhö…
siehe Fotos).
Veguetafest: Letzten Samstag waren wir auf einem großen traditionellen Kanarischen Fest hier in der Altstadt. Viele Trachtenkanarios mit Gitarren und traditionellen Liedern auf den Lippen, mit geschmückten Einkaufswägen voller Rum und Colaflaschen. Außerdem viele Stände mit so fritiert-getrocknet-gegrillt-wasweißich-Rochen-Dingern (die bis zum Himmel stinken – aber den charakteristischen Geruch prägen der an diesem Abend die Altstadt überzieht). Insgesamt son bisschen wie Oktoberfest. Nur mit flair, sommerlichen Temperaturen und ohne Zelt und Bierbänke. (und sehr zum Leidwesen meiner bayrischen Mitarbeiterin auch ohne Brezn‘ – letztens hatte eines ihrer Kinder eine mit. Da war sie aber wirklich kurz davor, ihre pädagogischen Grundsätze ihren tierischen Instinkten unterzuordnen…). Ich glaube ich habe selten so viele so absurde Gespräche geführt, wie an diesem Abend. Außerdem haben wir in einer empirischen Erhebung das Verhalten betrunkener Canarios die mit dem „Schüttel-Schüttel-Spiel“ konfrontiert werden, untersucht. „Hey wer bist denn du?“ „Si, Si, Fiestaaaaaaa!!!!“ „Heeeey Fiesta, du bist ja voll cooool…“
Das wars dann auch „schon“ wieder fürs erste…
Freue mich immer, wenn ihr euch meldet – Jannis
Hey……scheint ja alles richtig geil zu sein. Ist geil mal wieder von dir zu hören……wir haben ab morgen Nachmittag FERIEN
das wurd auch mal wieder zeit
.
Liebe Grüße wünscht Christoph
Von: Christoph am Oktober 11, 2007
um 5:06